Medikamentöse Tumortherapie
Nach einer Krebsdiagnose kommt vieles auf einmal, und selten ist nur eine Stelle daran beteiligt. Diese Seite ordnet ein, was wo geschieht – und welcher Teil davon bei uns in der Praxis liegt.
Nach der Diagnose
Untersuchungen, Termine, Entscheidungen, Namen von Abteilungen, die man vorher nie gehört hat — und wenig Ruhe, sich das alles zu sortieren. Wer zum ersten Mal davorsteht, weiß meist nicht, wer wofür zuständig ist.
Behandelt wird Krebs auf drei Wegen: mit einer Operation, mit Strahlen und mit Medikamenten. Der dritte Weg ist die medikamentöse Tumortherapie — und er ist der Teil, der zu einem guten Stück in einer Praxis stattfinden kann, statt in einer Klinik.
Und dann gibt es noch etwas, das am Anfang leicht untergeht, weil es erst später beginnt und dann lange dauert: die Nachsorge nach der abgeschlossenen Behandlung.
„Medikamentöse Tumortherapie“ ist zugleich eine formale Zusatzbezeichnung der Ärztekammern: eine Weiterbildung, die auf den Facharzt aufsetzt. Sie ist es, die der Praxis diese Behandlungen überhaupt ermöglicht.
Ums Finden geht es nebenan: Was zur urologischen Krebsfrüherkennung gehört, welche Untersuchungen die Kasse zahlt und welche nicht, steht unter Früherkennung und Prävention.
Behandlung in unserer Praxis
Drei Behandlungen laufen bei uns am Hohenzollernring:
Antihormonelle Therapie als Depot
Eine Spritze in festen Abständen — der Termin dafür ist ein normaler Sprechstundentermin.
Medikamente zum Einnehmen
Verordnung und die Kontrollen, die dazugehören.
Instillationstherapie der Blase
Wo sie indiziert und sinnvoll ist, führen wir sie hier durch: Das Medikament wird über einen dünnen Katheter direkt in die Blase gegeben.
Was diese drei gemeinsam haben: Sie bestehen nicht aus einem Termin, sondern aus vielen — über Monate, oft über Jahre.
Nachsorge
Ist eine Krebserkrankung behandelt, ist sie damit noch nicht abgeschlossen. Es folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, über Jahre — sie sollen ein Wiederauftreten früh erkennen, solange es sich noch gut behandeln lässt.
Das ist der längste Abschnitt des ganzen Weges, und er findet hier statt: Die Tumornachsorge ist unsere Hauptaufgabe in der Uroonkologie.
In welchen Abständen kontrolliert wird und was dabei untersucht wird, richtet sich nach der Erkrankung und danach, wie lange die Behandlung zurückliegt. Labor und Ultraschall dafür haben wir im Haus.
Sämtliche urologischen Tumormarker bestimmen wir in unserer Laborgemeinschaft, und die Ultraschallgeräte sind von der neuesten Generation. Näheres auf der Seite Technische Ausstattung.
Zusammenarbeit
Andere Teile einer Tumorbehandlung finden nicht bei uns statt, und es ist besser, das vorher zu wissen als hinterher.
Infusionstherapien — Chemotherapie und Immuntherapie — laufen in den uroonkologischen Abteilungen der umliegenden Krankenhäuser, mit denen wir zusammenarbeiten. Operationen an Prostata, Blase, Niere oder Hoden sind stationäre Eingriffe. Und eine Strahlentherapie braucht Geräte, die nur eine strahlentherapeutische Praxis oder eine Klinik vorhält.
Welche dieser Schritte überhaupt anstehen, entscheidet sich erst am einzelnen Befund. Diese Seite beschreibt die Möglichkeiten, nicht Ihren Fall.
Die Erkrankungen
Zum Nachlesen, wenn Sie so weit sind: die vier urologischen Tumorerkrankungen im Einzelnen. Sie unterscheiden sich stark — im Alter der Betroffenen, in der Häufigkeit und vor allem darin, welche Rolle Medikamente überhaupt spielen.
Prostatakarzinom
Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland; rund 79.600 Männer haben 2023 diese Diagnose bekommen. Nicht jeder von ihnen wird sofort behandelt — bei langsam wachsenden Tumoren kann es richtig sein, zunächst engmaschig zu kontrollieren und abzuwarten.
Wird eine medikamentöse Behandlung nötig, steht meist die antihormonelle Therapie am Anfang. Sie entzieht dem Tumor das Testosteron, das er zum Wachsen braucht. Gegeben wird sie als Depotspritze in festen Abständen — je nach Präparat alle ein bis sechs Monate. Ergänzend oder im weiteren Verlauf kommen Medikamente zum Einnehmen dazu.
Der Hormonentzug hat Nebenwirkungen, und gegen einen Teil davon lässt sich etwas tun: Muskelmasse und Ausdauer gehen zurück, viele fühlen sich dauerhaft erschöpft. Bewegung wirkt dem entgegen — ein strukturiertes Training, eine Krebssportgruppe oder Reha-Sport können Kraft, Fitness und Lebensqualität verbessern, angeleitet besser als auf eigene Faust.
Blasen- und Urothelkarzinom
Urothelkarzinome gehen von der Schleimhaut aus, die Nierenbecken, Harnleiter und Blase auskleidet; am häufigsten sitzen sie in der Blase. Die meisten werden entdeckt, solange sie noch oberflächlich wachsen, und lassen sich dann durch die Harnröhre abtragen.
Damit ist die Behandlung häufig nicht zu Ende. Um das Risiko eines Rückfalls zu senken, kann ein Medikament über einen dünnen Katheter direkt in die Blase eingebracht werden — je nach Risiko einmalig kurz nach dem Eingriff oder als Serie über mehrere Monate. Diese Instillationstherapie ist eine ambulante Behandlung.
Nierenzellkarzinom
Nierentumoren machen lange keine Beschwerden. Viele werden deshalb zufällig gefunden, oft im Ultraschall bei einer Untersuchung aus ganz anderem Anlass.
Solange der Tumor auf die Niere begrenzt ist, wird er operiert. Hat er gestreut, ist die medikamentöse Therapie die tragende Säule: teils Tabletten, teils Infusionen, häufig in Kombination. Welche Kombination die richtige ist, hängt vom Befund ab — und ändert sich mit der Studienlage schneller als bei den anderen drei Erkrankungen.
Hodentumor
Hodentumoren treffen vor allem jüngere Männer; im Median sind die Betroffenen 39 Jahre alt. Am Anfang steht fast immer die Operation. Was danach folgt — kontrollieren und abwarten, bestrahlen oder eine Chemotherapie —, richtet sich nach Gewebeart und Stadium.
Hodentumoren gehören zu den Krebserkrankungen mit den besten Aussichten überhaupt: Das Zentrum für Krebsregisterdaten weist zuletzt eine relative 5-Jahres-Überlebensrate von 97 Prozent aus. Die Nachsorge zieht sich dafür über Jahre.
Die Angaben in diesem Abschnitt folgen den S3-Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie: Prostatakarzinom (öffnet in neuem Fenster) (Version 8.1, August 2025), Harnblasenkarzinom (öffnet in neuem Fenster) (Version 3.0, März 2025) und Nierenzellkarzinom (öffnet in neuem Fenster) (Version 5.0, September 2024). „S3“ ist die höchste Qualitätsstufe, die eine medizinische Leitlinie in Deutschland erreichen kann.
Für Hodentumoren gilt das nicht: Die zugehörige S3-Leitlinie ist im Mai 2024 abgelaufen und wird derzeit überarbeitet. Die Zahlen dieses Abschnitts stammen deshalb vom Zentrum für Krebsregisterdaten (öffnet in neuem Fenster) des Robert Koch-Instituts, Datenstand 2023.
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